Ich habe lange überlegt einen Blog online zu stellen. Aber meist hielten mich perfektionistische Gedanken wie – sind meine Texte professionell genug? Bekomme ich ein perfektes Layout hin oder was ist, wenn ich Fehler mache oder jemand meine Beiträge doof findet? – davon ab.

Vor einiger Zeit beschloss ich dann jeglichen Perfektionsimus über Bord zu werfen und einfach zu beginnen. Zu schreiben, zu veröffentlichen, Fehler zu machen, zu verändern und einfach zu genießen ins Handeln, also Schreiben, zu kommen. Und so meine Erfahrungen zu sammeln, neue Ideen zu generieren und einfach Freude am Tun zu haben.

Perfektionismus. Er kann in vielen Formen, Arten und Situationen auftreten. Ob

  • im Haushalt, mit dem perfekt gestalteten Interieur, blitze blank geputzt bis in den letzten Winkel,
  • der Arbeit, minutiöse Planung der Karriere, stundenlanges Erarbeiten von Präsentationen, stundenlangen Überstunden um ja alles richtig zu machen,
  • der Optik, perfekter BMI, perfekte Ernährung für die perfekte Haut, genau abgestimmte Trainingspläne, perfekte Kleidung für den richtigen Anlass..
  • Partnerschaft, Freundschaften, Erziehung, Lebensstil usw.

Kein Bereich ist ausgeschlossen. Schwierig ist nur, dass der Wunsch nach Perfektionismus die Illusion erschafft, dass das Perfekte auch gleichzeitig gut und erstrebenswert ist. Das der Eindruck entsteht, alles wäre unter Kontrolle. Im Umkehrschluss würde dies bedeuten, dass die Imperfektion per se schlecht sein muss. Und darüber hinaus stellt sich die Frage: wann ist etwas perfekt? Kann man das perfekte Ergebnis, den perfekten Artikel, die perfekte Figur erreichen? Was muss dafür getan werden und ist es erstrebenswert? Ist man dann glücklicher? Oder tritt nicht sogar vielleicht das genaue Gegenteil ein. Führt das Streben nach Perfektionismus nicht sogar viel mehr zum Unglücklichsein, weil es ein Ziel ist, das niemals erreicht werden kann, eine Reise, die niemals ein Ende findet?

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Der Wunsch und das Streben nach Perfektionismus kommen natürlich nicht irgendwo her. Wer danach strebt sich perfekt zu verhalten, zu arbeiten – quasi versucht in allen Belangen „perfekt“ zu sein, bietet – augenscheinlich – keine Angriffsfläche. Denn Perfektionismus bietet Fehlerhaftigkeit keinen Platz, oder?

Das Bestreben  nach Perfektionismus ist oftmals der Versuch, Kontrolle über die eigene Bewertbarkeit zu erlangen – durch Perfektionismus zu vermeiden kritisierbar zu werden. Denn „Fehlerhaftigkeit“ und Kritik könnten ja, eine Bestätigung der eigenen Befürchtung sein, nicht gut genug zu sein. Also lieber dem Vorbeugen und keine Angriffsfläche bieten. Aber ist das wirklich so viel besser? Gibt es den Menschen, der alles perfekt macht? Und viel wichtiger, wie viele Dinge, Abenteuer, Handlungen, Beziehungen, Projekte, werden gar nicht erst begonnen, weil das Ziel – dass es perfekt werden muss, um gut genug  sein – einfach viel zu hoch gesteckt ist. Wie viele tolle Ideen, Gedanken bleiben daher im Verborgenen und werden niemals umgesetzt. Dabei sind es doch gerade die Dinge, die auch ihre kleinen Makel haben, die besonders liebenswert sind. Was nützt Perfektionismus, wenn er an daran hindert am echten Leben teilzunehmen. Dem Leben, wo es dazu gehört Fehler zu machen, kritisiert zu werden, nicht immer der oder die Beste zu sein und dennoch liebenswert und perfekt umperfekt zu sein.

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Mit Imperfektion für Einzigartigkeit sorgen, genau wie es diese Steine sind.

 

Dann doch lieber Fehler machen, falsch handeln, Imperfektion leben und daraus lernen und wieder neue Erfahrungen sammeln aus denen sich wieder neue Ideen ergeben, die ausprobiert werden wollen. Treu dem Motto hingefallen – aufstehen, Krönchen richten, weiter machen. Leben, ausprobieren und durch Imperfektion einzigartig sein.

 

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